Leben als Prozess

Immer noch dieses kleine verdammte Virus. Immer noch keine „Normalität“. Vermutlich werden wir unser Leben „wie früher“ nicht mehr auf diese Weise haben. Denn selbst wenn es keine Lock-Downs mehr geben wird und wir wieder zur Arbeit gehen können, unsere Kinder regelmäßig zur Schule und ihre Freunde treffen , wird sich etwas verändert haben. Manche berufliche Treffen werden in Zukunft auf weite Anfahrten verzichten, und wir haben uns im Warten geübt, im Erleben, was uns besonders fehlt, was wir brauchen, damit es uns gut geht. Wir werden uns mit Lust wieder durch Kunst und Kultur inspirieren und berühren lassen und damit der Lebensfreude anderer und unserer eigenen lauschen.

In vielerlei Hinsicht führt mich diese Umwälzung im Außen, dieses fast beständige „morgen ist es wieder anders“ auf wunderbare Weise hin zum Prozess des Lebens. Wenn ich es jetzt nicht lebe, wann dann? Wenn ich mich meinen Ängsten und meiner inneren Unfreiheit nicht stelle, wann dann? Je leichter und häufiger es mir gelingt diesen Tag zu leben, ihn mit Würde zu gestalten, auch wenn einen gerade das Schwierige heimsucht, diesen Tag zu leben, mit all meinen Fähigkeiten und Begeisterungen und der stetigen Verbundenheit mit allen Lebewesen, Menschen und der Natur desto freier fühle ich mich in meinem Inneren. Ich kann die Fülle wählen und Santosha, ein Begriff aus dem Sanskrit den man mit innerer Zufriedenheit und Akzeptanz, dessen was ist, beschreiben könnte. Ich nehme diesen Moment, diesen Tag, diese Situation, diese Stimmung in mir und sage: ja. Oder: ist ja interessant :). Ich nehme ihn und schaue, was geschieht, anstatt so zu tun, als müsste die Welt sich nur anders herum drehen, damit es mir gut geht.

Im Grunde üben wir das in jeder Meditation, in jedem Yoga-Moment, in dem wir uns auf uns selbst zubewegen, auf das Spüren. Auf die Präsenz. Leben als Prozess – ein Fest.

„Eines fügt sich doch zum andern, nichts besteht für sich allein, Flüsse, die getrennt meandern, leiben sich dem Meere ein…denn mich führn auf meiner Reise zum Verstehen viele Gleise“ (Konstantin Wecker)

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